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Ich kann mit der Unterscheidung zwischen Kopf- und Bauchmensch nicht wirklich etwas anfangen: Mein Bauchgefühl sagt mir nämlich, ich sei ein Kopfmensch, und als Kopfmensch kann ich rational begründen, warum es oft besser ist, auf das Bauchgefühl zu hören. (Norbert Schultheis)



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Götzen-Dämmerung

(Friedrich Nietzsche)

Rubrik: Aphorismen

Eine Sammlung der Aphorismen aus Nietzsches Werk „Götzen-Dämmerung oder: Wie man mit dem Hammer philosophiert“ von 1889, die mich berührten oder in denen ich zumindest ein Stück „meiner“ Wahrheit finden konnte:
  • Eine höhere Art Mensch, mit Verlaub gesagt, liebt nicht »Berufe«, genau deshalb, weil sie sich berufen weiß ... Sie hat Zeit, sie nimmt sich Zeit, sie denkt gar nicht daran »fertig« zu werden.
  • Es gibt Fälle, wo wir Pferde sind, wir Psychologen, und in Unruhe geraten: wir sehen unsern eigenen Schatten vor uns auf- und nierderschwanken. Der Psychologe muss von sich absehn, um überhaupt zu sehn.
  • Das grellste Tageslicht, die Vernünftigkeit um jeden Preis, das Leben hell, kalt, vorsichtig, bewusst, ohne Instinkt, im Widerstand gegen Instinkte war selbst nur eine Krankheit, eine andre Krankheit – und durchaus kein Rückweg zur »Tugend«, zur »Gesundheit«, zum Glück ...
  • Das moralische Urteil hat das mit dem religiösen gemein, dass es an Realitäten glaubt, die keine sind. Moral ist nur eine Ausdeutung gewisser Phänomene, bestimmter geredet, eine Missdeutung.
  • Was? du suchst? du möchtest dich verzehnfachen, verhundertfachen? du suchst Anhänger? – Suche Nullen! -
  • Man erholt sich in seiner wilden Natur am besten von seiner Unnatur, von seiner Geistigkeit ...
  • Man muss es nötig haben, stark zu sein: sonst wird man's nie.
  • Jeder Fehler in jedem Sinne ist die Folge von Instinkt-Entartung, von Disgregation des Willens: man definiert beinahe damit das Schlechte. Alles Gute ist Instinkt – und folglich leicht, notwendig, frei.
  • In Formel ausgedrückt dürfte man sagen: alle Mittel, wodurch bisher die Menschheit moralisch gemacht werden sollte, waren von Grund aus unmoralisch.
  • Wer seinen Willen nicht in die Dinge zu legen weiß, der legt wenigstens einen Sinn noch hinein: das heißt, er glaubt, dass ein Wille bereits darin sei (Prinzip des »Glaubens«).
  • Wenn das Weib männliche Tugenden hat, so ist es zum Davonlaufen; und wenn es keine männlichen Tugenden hat, so läuft es selbst davon.
  • Man ist im Zustand zu hoffen, weil das physiologische Grundgefühl wieder stark und reich ist; man vertraut Gott, weil das Gefühl der Fülle und Stärke einem Ruhe gibt.
  • Die Kirche und die Moral sagen: »ein Geschlecht, ein Volk wird durch Laster und Luxus zugrunde gerichtet«. Meine wiederhergestellte Vernunft sagt: wenn ein Volk zugrunde geht, physiologisch degeneriert, so folgen daraus Laster und Luxus (das heißt das Bedürfnis nach immer stärkeren und häufigeren Reizen, wie sie jede erschöpfte Natur kennt).
  • Es zahlt sich teuer, zur Macht zu kommen: die Macht verdummt ...
  • Wo gekämpft wird, kämpft man um Macht.
  • Wie? ist der Mensch nur ein Fehlgriff Gottes? Oder Gott nur ein Fehlgriff des Menschen? -
  • Die Vorstellungen, welche ein gewisses Befinden erzeugte, wurden als Ursachen desselben missverstanden.
  • Der getretene Wurm krümmt sich. So ist er klug. Er verringert damit die Wahrscheinlichkeit, von Neuem getreten zu werden. In der Sprache der Moral: Demut -
  • Man müsste eine Stellung außerhalb des Lebens haben, und andrerseits es so gut kennen, wie einer, wie viele, wie alle, die es gelebt haben, um das Problem vom Wert des Lebens überhaupt anrühren zu dürfen: Gründe genug, um zu begreifen, dass dies Problem ein für uns unzugängliches Problem ist.
  • Aber damit wird Heraklit ewig recht behalten, dass das Sein eine leere Fiktion ist. Die »scheinbare« Welt ist die Einzige: die »wahre Welt« ist nur hinzugelogen ...
  • Ich will, ein für allemal, vieles NICHT wissen. – Die Weisheit zieht auch der Erkenntnis Grenzen.
  • Unsre Universitäten sind, wider Willen, die eigentlichen Treibhäuser für diese Art Instinkt-Verkümmerung des Geistes.
  • Aus der Kriegsschule des Lebens. – Was mich nicht umbringt, macht mich stärker.
  • Statt naiv zu sagen »ich bin nichts mehr wert«, sagt die Moral-Lüge im Munde des décadent: »Nichts ist etwas wert, – das Leben ist nichts wert«.
  • Das Leben ist zu Ende, wo das »Reich Gottes« anfängt ...
  • Alle Ungeistigkeit, alle Gemeinheit beruht auf dem Unvermögen, einem Reize Widerstand zu leisten – man muss reagieren, man folgt jedem Impulse. In vielen Fällen ist ein solches Müssen bereits Krankhaftigkeit, Niedergang, Symptom der Erschöpfung, – fast alles, was die unphilosophische Rohheit mit dem Namen »Laster« bezeichnet, ist bloß jenes physiologische Unvermögen, nicht zu reagieren.